Bewerbungsratgeber aller Coleur (Schreibweise so oder ähnlich) überschlagen sich mit Tipps, dass und welche Fragen man im Vorstellungsgespräch stellen soll. Ich hab da mal welche ausprobiert und auch zu den nicht ausprobierten eine dezidierte Meinung. Wenn Ihr wissen wollt, mit welcher angeblichen „Königsfrage“ ich grandios gescheitert bin – einfach weiterlesen  😉

Dass man Fragen stellen soll, da sind sich alle Ratgeber einig. Auch, dass es eben nicht die Fragen „Wann bekomme ich die erste Gehaltserhöhung?“, „Wie viel Minuszeit kann ich auf dem Gleitzeitkonto sammeln“ oder „Ist der Kaffee hier umsonst?“ sein sollten, wird als Grundwissen vorausgesetzt. Obwohl ich die Frage mit dem Kaffee echt wichtig finde.

Ich frage meistens zu den konkreten Aufgaben, warum es diese Stellenbesetzung gibt, was die Prioritäten in der ersten Zeit sind. Viele Fragen können auch im Gespräch schon beantwortet werden, wenn man es schafft, einen Dialog aufzubauen oder die Gesprächspartner mir diese Informationen als Hintergrundwissen schon geben.

Ein paarmal hab ich mit Fragen aus den Ratgebern experimentiert, wirklich gepunktet hab ich dabei nicht. Hier ist die Frage, mit der ich mich mal ins Aus geschossen habe:

Mein Bewerbungsratgeber schreibt:

„Wenn es eine Frage gibt, die Sie UNBEDINGT – und ich meine unbedingt (!) – stellen sollten, dann ist es diese! Und zwar ganz am Ende des Gesprächs – versteht sich.
Glauben Sie mir, diese Frage ist der Trumpf aller Trümpfe… und 99.7% aller Bewerber stellen diese Frage nie! Vergeben Sie dieses Ass nicht ungespielt…“

Ahhhh… Und welche Frage ist das wohl? Es ist diese hier:

„Haben Sie den Eindruck, dass mir irgendeine Qualifikation
fehlt, um diese Position bestens ausfüllen zu können?“

Ich hab diese Frage gestellt und mich damit in den roten Bereich katapultiert.
Quasi direkt ins Straflager nach Rura Penthe*.

Ich konnte sehen, wie meinem Gesprächspartner die gute Laune aus dem Gesicht fiel.
Ich hatte ihn kalt erwischt und das war kei Vorteil für mich. Er fühlte sich in die Ecke gedrängt und brachte stocked, sinngemäß, folgendes heraus: „wir lassen uns ungern eine Beurteilung abringen, bevor wir nicht alle Kandidaten gesehen haben.“
Nun, das war ja gar nicht meine Intention gewesen, aber nun war das Kind im Brunnen ersoffen, die Stimmung deutlich kühler und nachdem ich das Gespräch hinter mir hatte, wartete ich auf die Absage. Da rettete mich auch mein Dankeschön-Mail hinterher nicht mehr.

Ich weiß natürlich nicht, wie ich ohne diese Frage abgeschnitten hätte, was ich aber definitiv weiß ist, die Stimmung ist gekippt, sobald ich den Mund zu hatte. Seither habe ich sie niemals wieder gestellt.

Übrigens, mein Freund hat diese Frage kürzlich in einem Vorstellungsgespräch gestellt. Bei ihm kam sie gut an. Komisch, oder?

Ratlose Grüße von der Jobspotterin  ❤

*Rura Penthe ist ein eisiger Planetoid in einem trinären Planetensystem im Beta-Quadranten. Auch als der „Friedhof der Fremden“ bekannt, ist er eine Hochsicherheitsstrafkolonie des Klingonischen Imperiums.
Quelle: http://de.memory-alpha.wikia.com/wiki/Rura_Penthe

 

 

 

 

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