Heute habe ich eine Absage bekommen. Ich lese die immer sehr genau, da ich der Meinung bin, dass Personaler doch wissen, was sie tun. Außerdem wird von Bewerbern immer Perfektion erwartet, also bin ich neugierig, ob dafür wenigstens etwas Wertschätzung zurückkommt.

In diesem Fall bin ich sehr ambivalent – bewertet selbst. Meine Gedanken dazu habe ich direkt eingefügt.


Sehr geehrte Frau Bewerberin*,

Sie haben sich bei uns um die ausgeschriebene Stelle beworben.
Ach die! Genau um DIE EINE Stelle hab ich mich beworben. Ja, ich erinnere mich. Mhm.

Für Ihr Interesse an unserem Unternehmen möchten wir uns hiermit herzlich bedanken.
Ihr Corporate-Grün finde ich schick.

Sicherlich können Sie sich vorstellen, dass sich auf diese Position eine Vielzahl von qualifizierten Fachkräften beworben hat.
Oh, vorstellen kann ich mir eine ganze Menge. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass es der Realität entspricht. HABEN sich denn eine Vielzahl von Menschen auf diese Stelle beworben?

Die Entscheidung fiel uns daher nicht leicht und nahm etwas Zeit in Anspruch.
Exakt 2 Wochen. Da hab ich schon ganz andere Definitionen für „etwas Zeit“ erlebt. Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass eine Absage innerhalb so kurzer Zeit bedeutet, dass ich wegen etwas gravierendem aussortiert wurde. Ich tippe Mal aufs Alter.

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir uns für eine/-n andere/-n Mitbewerber/-in entschieden haben.
Da übertreiben wir es aber ein wenig mit dem Genderwahn, kann das sein?

Wir wünschen Ihnen für Ihren weiteren beruflichen Werdegang alles Gute
Ich bin kein Grammatikhool, aber da fehlt ein Punkt. Außerdem fehlt mir die Aussage, dass die Absage nicht als Abwertung meiner Qualifikationen, meiner Nase oder meiner rosafarbenen Schuhe zu tun hat.

Mit freundlichen Grüßen

Daisy Duck*
Abteilungsleiterin
Abteilungsleiterin wovon denn?


*Namen sind natürlich verfremdet.

Eigentlich eine Standardabsage, die mich nicht weiter bewegen würde, allerdings ist diese von einer Personalfirma. Da erwarte ich dann doch etwas mehr. Vielleicht bin ich aber auch verwöhnt weil meine Erfahrungen mit Personalfirmen ziemlich gut sind.

Die hier gemeinte hat den Anspruch, besser als andere zu sein und beweist dies mit Bewertungen wie „Sehr professionell und persönlich. Eine Zeitarbeitsfirma auf hohem Niveau!“ oder „Viel, viel seriöser, kompetenter, bemühter, menschlicher als 90% der Konkurrenz.“

Das kann ich spontan so nicht bestätigen. Ich bin tatsächlich überrascht, da mein Profil in der Regel so interessant ist, dass die  Zeitarbeitsfirmen mich auf  jeden Fall kennenlernen möchten oder mein Profil in die Datenbank aufnehmen. Ob es daran liegt, dass diese Firma in der Landeshauptstadt ansässig ist? Möglicherweise hat man da einfach eine andere Attitüde. Ich weiß es nicht.

Der Ausdruck der „qualifizierten Fachkraft“ hat für mich in einem persönlichen Schreiben nichts zu suchen.

Bemerkenswert finde ich allerdings, dass gerade eine Zeitarbeitsfirma, die sich in hellgrün auf die Fahne schreibt „besser“ im Sinne von persönlicher (usw) zu sein, von „qualifizierten Fachkräften“ spricht. Das erweckt bei mir den Eindruck von „Humankapital“ oder intellektuellem Nutzvieh und hat im Dialog nichts zu suchen. Schon gar nicht von professionellen Personalern. Außer natürlich, sie verschicken Standardmails an als uninteressant klassifizierte Kandidaten – und widersprechen auf diesem Weg ihrem eigenen Anspruch.

Personalvermittler und  Zeitarbeitsfirmen – moderne Sklavenvermittlung oder echte Unterstützer bei der Arbeitssuche?

Nachdenkliche Grüße am Abend, herzlichst, i.Jobpotterin ❤

 

 

 

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